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Norbert Dinter
 
"Frei will ich sein im Denken und im Dichten!
Im Handeln schränkt die Welt genug uns ein."


Mit Goethe liegt der Mensch nie verkehrt, wenn es um Kultur geht.

Was aber ist "Kultur"? Heutzutage genügt dem unruhigen Zeitgeist für den ersten Überblick ein Klick bei Wikipedia:
 
Kultur (zu Lateinisch cultura, "Bearbeitung", "Pflege", "Ackerbau", von colere, "wohnen", "pflegen", "den Acker bestellen") ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. Kulturleistungen sind alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials, wie in der Technik, der Bildenden Kunst, aber auch geistiger Gebilde wie etwa im Recht, in der Moral, der Religion, der Wirtschaft und der Wissenschaft.

Nun wissen wir es. Wissen wir es? Was erwarten wir bei einer "Kulturnacht"?

Dichterlesungen bei Kerzenlicht, dezent musikalisch umrahmt und im Anschluss Rotwein und Käsehäppchen? Nicht zu verachten, aber das trifft es nicht ganz. Für mich ist der Begriff deutlich weiter gefasst. Dazu gehört die Oper genau so wie Livemusik in der Kneipe, der Kirchenchor, Breakdance oder Bildhauerei.

Auch regionale Besonderheiten oder Spezialitäten schließe ich mit ein. Braunkohlwanderungen oder Plattdütsch spräken wären in unserer Region so Beispiele für mich. Alles, was unsere Kultur und das Miteinander ausmacht. Alles, worüber unsere Nachkommen einst sagen werden: "So haben die damals um 2011 gelebt. Die gingen zum Fußball oder ins Theater oder in den Techno-Club." Das Jugend-, Erwachsenen- sowie Seniorenkultur dabei im vermeintlichen Widerspruch stehen, hängt vom Betrachter und seiner Toleranz ab.

Alles, was den Zeitgeist widerspiegelt und den Geschmack des Publikums trifft, ist erst einmal erlaubt und lässt sich nicht festlegen. Egal, ob Beethoven oder Bohlen. Die Geschmäcker sind halt verschieden und nicht Jeder muss alles mögen! So können wir uns dann auch die Diskussion sparen, ob "Erlaubt ist, was gefällt" oder "Erlaubt ist, was sich ziemt."

Allerdings sollte das "Handwerk" auch beherrscht werden. Ein Mindestmaß an Professionalität darf das Publikum wohl erwarten. Mit einem Augenzwinkern halte ich es an dieser Stelle ausdrücklich mit Wilhelm Busch:

Wenn einer, der mit Mühe kaum,
Gekrochen ist auf einen Baum,
Schon meint, dass er ein Vöglein wär',
So irrt sich der!